Die unbekannte antike Akropolis Oga

Oga ist in der Forschung durchaus als eigener antiker Platz erfasst. ToposText führt den Ort als „Ogas“ ausdrücklich als Akropolis/Turm bei Kypseli und nennt dabei sogar „Mycenaean antecedents“, also vorgeschichtliche bzw. mykenische Vorstufen.

Der britische Methana Survey behandelte Oga als einen der drei wichtigsten klassischen Fundplätze der Halbinsel neben Palaiokastro und Magoula. Für Oga wird dabei ausdrücklich von gutem früh­eisenzeitlichem und archaischem Material gesprochen; zugleich scheint der Platz in klassischer Zeit kleiner gewesen zu sein als Palaiokastro. Im selben Survey wird außerdem ein Turm bei Oga erwähnt und die Akropolis in die Vermessung der Befestigungen einbezogen.

Die Sache mit Poseidon Fytalmios ist sogar noch interessanter, als es auf den ersten Blick scheint. In der Fachliteratur ist nicht nur von einer Inschrift die Rede, sondern von zwei Grenzsteinen/Heiligtumsmarkierungen aus Oga: einer für Poseidon Phytalmios und ein weiterer für Aphrodite. Das spricht dafür, dass dort nicht nur irgendein einzelner Kultplatz lag, sondern eher ein kleiner sakraler Bezirk oder eine Kultlandschaft. Besonders spannend ist, dass der heute besser bekannte Poseidon-Stein nicht allein stand; der Aphrodite-Stein war nach späteren Angaben bereits verloren.

Der Beiname „Phytalmios“ ist inhaltlich sehr aufschlussreich. Er verbindet Poseidon hier nicht nur mit dem Meer, sondern auch mit Fruchtbarkeit, Pflanzenwuchs und Tierzucht. Oga war also vermutlich kein reiner Küsten- oder Seefahrerkultplatz, sondern könnte bewusst in einer agrarisch geprägten Landschaft gelegen haben, in der Schutz, Wasser und Fruchtbarkeit zusammen gedacht wurden.

Für die spätere Entwicklung gibt es vorsichtige, aber interessante Rekonstruktionen. Ein archäologischer Bericht fasst zusammen, dass auf der Akropolis ein Turm gebaut wurde und die Hauptsiedlung im 3. Jahrhundert v. Chr. geschrumpft sein könnte. Eine weitere Studie vermutet sogar, dass Oga kurz nach der frühen vulkanischen Aktivität des 3. Jahrhunderts v. Chr. aufgegeben wurde. Das sind aber Survey-basierte Deutungen, keine durch Ausgrabung gesicherten Endergebnisse.

Auch für die Frühzeit ist Oga wohl wichtiger, als der heutige Forschungsstand vermuten lässt. Spätere Arbeiten zur Siedlungsgeschichte der Methana-Halbinsel behandeln Oga als Platz mit Mykenischer Besiedlung und mit Entwicklung bis in die Eisenzeit. Damit wäre Oga nicht nur eine isolierte spätere Festung, sondern ein Ort mit sehr langer Nutzungsgeschichte.

Unterm Strich wirkt Oga also weniger wie eine „rätselhafte Einzelburg“ und eher wie ein über lange Zeit genutzter Höhenplatz: zuerst wohl mit vorgeschichtlichen Wurzeln, dann als Siedlungs- und Befestigungsort, dazu mit mindestens zwei nachweisbaren Kulten, nämlich Poseidon Phytalmios und Aphrodite. Gerade diese Verbindung von Akropolis, Turm, Zisterne, Mauern und Heiligtümern macht den Ort archäologisch so spannend. Gesichert ist dabei vor allem das, was Survey und Inschriften hergeben; vieles andere bleibt mangels Ausgrabung weiterhin offen.

Lageplan
Fotos
Fotografien der Akropolis